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Seite geändert am: 07.10.2004

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Die Schöpfungsgeschichte

Die biblische Version der Schöpfungsgeschichte ganz zu Anfang der Genesis erzählt die Schöpfung zweimal hintereinander. Sie besteht ganz offensichtlich aus zwei einzelnen Schöpfungsgeschichten, naheliegender Weise auch von zwei Autoren, bzw. aus zwei unterschiedlichen Quellen.

Bemerkt: Im Kapitel 1. Mose 1 bis einschließlich 1. Mose 2,3 ist das, was man ins Deutsche mit "Gott" übersetzte, das Wort "Elohim". Deutlich wird danach eine neue Schrift angeknüpft, in der urplötzlich die Rede von Jhwh statt Elohim ist.
Es liegen also zwei verschiedene Götterbezeichnungen vor, eventuell sogar zwei verschiedene Göttervorstellungen?

1. Mose 2,4 ist ein absoluter Binde-Satz, der vermutlich von "Mr. X" eingefügt wurde - demjenigen, der die beiden Geschichten zu einer verwob. Die beiden Geschichten sind auf alle Fälle älter als dieser Satz, denn es gäbe keinen Anlass für "Mr. X", sollte er auch der Autor der Geschichte sein, diese 2 x zu erzählen. Mindestens 1 Version lag ihm also bereits vor.
Auch wenn "Mr. X" bereits eine Version der Geschichte vorliegen hatte, gab es keinen Anlass für ihn, die Geschichte noch ein zweites Mal in einer eigenen Version zu verfassen. Wir finden "Mr. X" also als den Lektor, der bereits bestehende Geschichten zu einer Gesamtgeschichte vereinte, wobei er notwendiger Weise solche Bindesätze wie den 1. Mose 2,4 einbrachte, um den gesamten Text etwas flüssiger zu machen:

"Dies sind die Entstehungen der Himmel und der Erde bei ihrem Geschaffenwerden.
Am Tag des Machens Jhwh, Elohim, Erde und Himmel,..."
Dies ist die Geschichte des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden, an dem Tage, da Jehova Gott Erde und Himmel machte,...
Was mich auf diesen Satz als Schlusssatz der ersten und Anfangssatz der zweiten Version ein und derselben Geschichte gebracht hat, ist der auffallende Wechsel der Gottesbezeichnung: In diesem Bindesatz wird die bisherige Version Elohim noch einmal genannt, aber auch die neue, nämlich Jhwh und es wird dargestellt, dass Jhwh Elohim ist. Danach ist die Bezeichnung für Gott bis auf Weiteres nur noch Jhwh. Hierbei handelt es sich um eine namensähnliche Individualbezeichnung: Jhwh ist eine bestimmte Person, während "Elohim" "nur" die Bezeichnung für eine (unbestimmte) Gottheit ist. Von was für "(irgend)eine Gottheit" erzählt denn also 1. Mose 1 bis 1. Mose 2,3? (Wenn es die Gottheit Jhwh gewesen wäre, so stünde doch dort sein "Name" (seine Individualbezeichnung)!)

Bemerkt: Wer von Hebräisch auch nur eine Ahnung hat, weiß, dass die Endsilbe "im" [iym] den Plural bestimmt, so beispielsweise bei Cherubim und Seraphim (die Engel) oder Elohim. Elohim wird heute als ein Wort gesehen, das in der Mehrzahl verstanden werden kann, auf dessen Einzahl allerdings besonderer Wert gelegt wird: Es heißt nämlich "Gott" und davon gibt es angeblich nur einen. Als der Begriff Elohim geprägt wurde, war das noch anders: Da gab es durchaus viele Götter, daher auch der Plural. Der Singular zu Elohim ist Eloha.

Die Genesis (griechisch: genesis kosmou = Ursprung der Welt) heißt auf Hebräisch בראשית (bere'schiyt). Dieses Wort steht ganz zu Anfang der Genesis und bedeutet "im Anfang". Man benannte die Schrift also einfach nach ihrem ersten bzw. ersten beiden Worten. Ebenso verfuhr man mit der babylonischen Schöpfungsgeschichte, deren ersten beiden Worte "enuma elish" lauten und "als droben" bedeuten: "als droben die Himmel nicht genannt waren..."

Anhand des Enuma Elish, insbesondere aber aus der Geschichte von Marduks Kampf und Sieg über Tiamat aus dem sumerischen Gilgamesch-Epos wird die biblische Schöpfungsgeschichte um vieles klarer, ihre Bilder werden wesentlich deutlicher. Es wird damit auch offenbar, von welchem Elohim im 1. Mose 1 die Rede ist nämlich nicht von Jhwh, Elohim (eine Gottheit namens Jhwh, der Herr), sondern von Marduk, Elohim (eine Gottheit namens Marduk, der Herr). Marduk hatte den Beinamen "Sohn des Himmels".
Die erste biblische Schöpfungsgeschichte ist also ein Text aus der babylonischen, polytheistischen Religion, zumindest eine monotheisierte Version davon. Die babylonische Schöpfungsgeschichte hingegen ist eine ausgeschmückte und zeitgenössisch ergänzte Version einer frühen sumerischen Schöpfungsgeschichte, die bis ins 3. Jahrtausend v.u.Z. zu datieren ist.

Wort für Wort auf den Zahn geprüft und zwischen die Zeilen gelesen analysiere ich das 1. Mose 1


Menschwerdung

Im Allgemeinen stellten sich "primitivere" Völker das Auftauchen des Wesens Mensch gerne durch eine göttliche Modellierung aus einer knetbaren Masse, meist (Töpfer-)Lehm, vor. Der Grund hierfür mag wohl sein, dass diese Menschen ihre Figuren aus diesem Töpferlehm modellierten und sich demnach auch das Vorgehen einer Menschen machenden Gottheit so vorstellten. Wir sehen hier als Beispiel auch Schöpfungsmythen ganz anderer Kulturkreise, nämlich z.B. Afrikas oder Südamerikas (im Weiteren: einige religiöse Geschichten von der Entstehung der Welt).

Dass es sich insbesondere bei den ersten paar Kapiteln in 1. Mose um eine aus mehreren Urtexten zusammengesetzte Schrift handelt, wird ganz deutlich an den vielfachen Doppelerzählungen und auch an den etwas holperigen Versuchen, die Texte möglichst fließend ohne Sinnverlust zusammenzufügen.

Nennenswerte Doppelerzählung ist die Erschaffung des Menschen: Während in 1. Mose 1,27 eine Gottheit (Elohim) noch die Menschen als "Mann und Weib" erschuf, wobei dem keinerlei Hierarchie zwischen den Geschlechtern anzumerken ist, wird die Menschenschöpfung in 1. Mose 2,7 mit dem Mann begonnen, dem erst relativ später die Frau als ein Mann-Teil, eine Ergänzung, eine Gehilfin hinzugefügt wird (1. Mose 2.18).
Da der mannbezogene, patriarchische Teil der Erzählung auch mehr ins Detail geht, kann man annehmen, dass es sich hier um eine jüngere Version der Geschichte handelt, während 1. Mose 1 bis 1. Mose 2,4 einer älteren Quelle entstammt, aus einer Kultur, in der die Frau noch ihren selbstverständlichen Platz auf gleicher Ebene mit dem Mann hatte.

Bekanntlich lebten die Urmenschen in einer matriarchalen Gesellschaft, in der die Frau verherrlicht wurde, weil man ihr alleine die Fortpflanzung zurechnete. Diese steinzeitliche Frauen-Epoche spiegelt sich auch in der Religion durch weibliche Fruchtbarkeitsgottheiten wider. So verehrte man im Matriarchat Kleinasiens die Astarte-Gottheiten, die Ascherat, vormals die Inanna und weitere Muttergöttinnen.
Erst als der Mann später erkannte, dass kein Kind wachsen konnte, ohne dass er es zuerst zeugte, wuchs sein Stellenwert enorm und die Frau verlor an Geltung. Mit dem Mann traten demnach auch männliche Götter in den Vordergrund.

Die Weltschöpfung sowie die Schöpfung des Menschen ist also in ihrer älteren Version NICHT dem Gott Jhwh zugeschrieben, sondern einer nichtjüdischen Gottheit. Jhwh mag bestenfalls ein jüdisches Verständnis des eigentlichen Schöpfergottes darstellen. Die jüdische Beschreibung des Schöpfergottes ist allerdings stark und sinnentfremdend entstellt von Monotheismus und Hierarchie zwischen den Geschlechtern. Vormals galt die Schöpfergottheit als eine Gottheit in einer Schar von Göttern. Und Götter waren nichts weiteres, als deifizierte Naturgewalten und Dinge.

Hierzu auch babylonisch-sumerische Geschichten, wie der Mensch in die Welt gekommen war.

Schlussfolgerung: Jedem Ding rechnete man Geist und Wesen zu und entweder, jedes Ding HAT Geist und Wesen, oder Geist und Wesen gibt es nicht, dann hat es aber ein Lebewesen auch nicht. Das heißt: Wenn ICH einen Geist habe oder (in einem meiner Aspekte) ein Geist bin, dann gibt es auch Götter. Wenn es keine Götter gibt, gibt es auch keinen Geist, den ich haben oder der ich sein könnte.
Auf alle Fälle gibt es - wenn, dann - viele Geister und Götter. Ein einzelner/einziger Gott ist ein Unsinn; man kann höchstens alle Götter und Geister als ein einziges Götterkollektiv betrachten, möchte man es singular haben.

Detaillierteres und höchst Aufschlussreiches zum Begriff Adam.

Was war mit Adam vor Eva?

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" meint die biblische Schöpfergottheit in 1. Mose 2,18 und sucht dem Adam Gesellschaft, eine(n) Partner(in).

Bemerkt: Etwas wunderlich mutet des "allwissenden, allmächtigen und unvorstellbar genialen" Gottes Ratlosigkeit an, wie denn des Menschen Partner(in) auszusehen habe.

Fast wie ein Versuch erscheint es, dass die Gottheit erst einmal eine Menge Tiere erschuf, die sie zu Adam brachte, damit er sähe, wie dieser sie "nannte". Deutlich ist von der/m ersehnten Partner(in) die Rede, der/die unter den Tieren nicht gefunden werden konnte.

1. Mose 2,20 "Und der Mensch gab Namen allem Vieh und dem Gevögel des Himmels und allem Getier des Feldes. Aber für Adam fand er keine Hülfe seines Gleichen."

"Einen Namen machen" war im Altertum unter anderem auch die Bezeichnung für Sex, insbesondere für Zeugen oder Schwängern. Ein Mann machte einer Frau einen Namen, indem er ihr einen Sohn von sich machte. Es gibt daher Interpretationen, dass die Schöpfergottheit auf der Suche danach, für Adam eine fortpflanzungsfähige Partnerin zu finden, der dieser "einen Namen machen" konnte, die Tiere zu ihm führte. Aus dieser sodomistischen Zusammenkunft entstanden aber keine Nachkommen, es ward keine Partnerin für den Mann gefunden. Erst daraufhin erschuf die Gottheit Eva, die Frau des Menschen.

Andere Spekulationen sprechen bekanntlich von Lilith (und Naama), der vor-Eva-ischen, ersten Frau Adams. Die Dämonin soll von Gott nicht aus reiner Erde, sondern aus schmutzigem irdischen Sediment erschaffen worden sein. Adam zeugte mit ihnen angeblich das Geschlecht der Dämonen und blutrünstigen, bösen Geister.

Die Lilith (ursprünglich: Kiskil-Lilla) ist eine sumerische Dämonin in der Gesellschaft der Kriegs- und Fruchtbarkeitsgottheit Inanna. Zum Kult der Inanna gehörten Tempelprostitution, sexuelle Rituale und allerlei sinnliche Exzesse, so beispielsweise die öffentliche Vereinigung des Königs mit der Göttin - stellvertreten durch eine ihrer Priesterinnen - im Rahmen eines Fruchtbarkeitsfestes.
Es trägt wohl auch einen wesentlichen Teil zur Diskriminierung und Unterdrückung der Frau bei, dass man mit Aufkommen der Jhwh-Epoche die konkurrierende Gottheit Inanna (Ischtar, Astarte) und ihren Fruchtbarkeitskult auszurotten gedachte und man dessen rituelle und religiösen Gebräuche entsprechend verteufelte und dämonisierte.

Jes. 34,14 nennt Lilith im Kreise einer wilden Tierhorde: "Und Wüstentiere treffen mit wilden Hunden zusammen, und Böcke begegnen einander {O. rufen einander zu}; ja, dort rastet die Lilith {eine Nachtgottheit} und findet einen Ruheplatz für sich."

Die Wesensart der Böcke, wilden Tiere einerseits und der Dämonen, bösen Geister, Ghouls, Dschinns und sonstiger koboldartiger, nichtmenschlicher, nächtlicher Unruhestifter andererseits ist in altertümlichen Texten oft schlecht zu unterscheiden. Womöglich wurden zwischen manchen Tieren und Göttern/Götzen/Dämonen keine Unterschiede gemacht, denn viele altertümlichen Gottheiten haben eindeutig tierische Wesensart und stellen Drachen (Großechsen) dar oder Meeresungeheuer (Großfische). Oft fand ein fließender Übergang statt zwischen dem Verständnis von heiligen Tieren und dem von Gottheiten/Dämonen.

Den hier verwendeten Begriff "rufen", "einander zurufen", übersetzt mit "begegnen", findet man auch in der gesamten Schöpfungsgeschichte. Durch Berufen vollendet der Bibelgott, was er geschaffen hat: Er trennt das Helle vom Dunklen und berief das Helle "Licht", das Dunkle berief er "Nacht", er berief die Himmelsfeste... die Bibelgottheit bringt hervor, zeugt, gebiert im Begriff "(be)rufen, (be)nennen": Es ist auch der Umstand, den die Christen "Schöpfung durch das Wort (Logos)" nennen.

Zu solcher Wortschöpfung war Adam nicht fähig, so dass anzunehmen ist, er "berief", was er schuf, ganz auf die übliche Weise: nämlich durch Zeugung - vor Eva probeweise durch Sex mit Tieren oder Dämonen (Wesen im Kreis der "Böcke").


die Ursünde

Eine sumerische Mythe berichtet von Ninchursanga, der sumerischen Muttergöttin, die im Tilmun (sumerisches Paradies) mit dem Gott Enki vollkommen schmerzfrei eine Menge Kinder in die Welt setzt. Tilmun galt als ein göttliches Land der Herrlichkeit, in dem es weder Schmerz, Alter noch Unheil aller Art gab. Allerdings erkrankt Ninchursanga aufgrund des Genusses acht verbotener Pflanzen und wird dazu verurteilt, ihre Kinder ab sofort unter Wehen zu gebären. Um sie von ihrer akuten Krankheit zu heilen, wird eigens die Göttin Nin-ti (Nintu) erschaffen. Das sumerische Wort "Nin-ti" bedeutet "das Weib, das Leben schafft" oder "das Weib von der Rippe".

[hanehosch] lautet die Bezeichnung für die Schlange, die den Sündenfall einleitet. Wie auf der Site auf Satans Spuren: Satan in der Bibel (verschiedene Schlangenbezeichnungen) recherchiert werden konnte, ist [hanehosch] lediglich die Bezeichnung für eine völlig gewöhnliche Schlange: ein ganz normales Reptilien-Tier und nichts gibt Anlass dazu, diese Schlange [hanehosch] als den Satan, ein böses metaphysisches Wesen oder sonst einen göttlichen Gegenspieler zu sehen. Anstelle einer Schlange könnte also von dieser Warte her auch jedes andere Tier aktiv gewesen sein. Man verwendete wohl die Schlange, um für ihre Anatomie (beinlos) und ihr Verhalten (züngeln) eine Erklärung zu finden. Dass das Tier mit Eva sprach, entspringt wohl eher einer Fabel.

Der Wortstamm, an den das Wort "Paradies" anlehnt, ist iranischen (arischen) Ursprungs: pairidaeza (davon abgeleitet das heb. pardes) heißt "Umfriedung, Umwallung, Ummauerung" und bezeichnet das iranische Hochland, das im Altertum als ein Zugang zum unteren Himmel gehalten wurde. Von Himmeln gab es nämlich 3 Schichten: die höchste bewohnte der Himmelsgott An(u), die Schicht darunter die guten Götter "Igigi" und die dritte, untere Schicht beherbergte die Gestirne. Danach kam die Erde.


Brudermord

Obwohl man den besten Freund zur besonderen Betonung der Zuneigung oder den Bundesgenossen und Mitstreiter in gemeinsamer Sache als Ausdruck höchstmöglicher Verbundenheit gerne einen "Bruder" nennt, vertragen sich Geschwister in den wenigsten Fällen. Meist ist einem eben der Bruder oder die Schwester besonders verhasst. Das ist nichts Neues, denn die Menschheit ist voll von Geschichten über den Zwist der Geschwister - beim ersten Menschen kam dieser Streit nur nicht zum Tragen, weil dieser keinen Bruder hatte. Aber kaum existiert ein Brüderpaar, so regiert auch schon Neid, Missgunst und Mord. Man empört sich über den Brudermord besonders, auch wenn man selbst den Bruder stets als größten Konkurrenten erlebt hat.

Bemerkt: Nachdem Kain und Abel fähig waren, eigenständig ihrem Gott von ihrer Arbeit zu opfern, um sich anschließend gegenseitig an die Kehle zu fahren und sich umzubringen, darf man annehmen, dass beide zu diesem Zeitpunkt bereits halbwegs erwachsene Männer waren. Bei der Geburt ihres Sohnes Set spricht Eva davon, dass Gott ihr hiermit einen Ersatzsohn für Abel gegeben habe. Demnach ist anzunehmen, dass Set Evas 3. Sohn war: Von weiteren Söhnen während dieser Zeit ist auch keine Rede, außerdem wäre die Betonung Sets als Abel-Ersatz weniger nachvollziehbar, hätte Eva bereits weitere Söhne gehabt. Nachdem seit Kain und Abels Geburt bis zur Geburt des Set bereits eine gehörige Zeitspanne vergangen sein dürfte, frage ich mich doch, was Adam und Eva in dieser ganzen Zeit eigentlich den lieben langen Tag getan haben? Verhütet?

Der Streit zwischen dem Bauern und dem Hirten ist eine Parabel auf die in der Spätsteinzeit beginnende Sesshaftigkeit und Urbanisierung entgegen den Völkern, die weiterhin als Nomaden umherzogen. Neben dem brutalen, tödlich endendem Gerangel zwischen den Brüdern Kain und Abel gibt es zum Thema "Sesshaftigkeit vs Nomadentum" noch weitere Geschichten, nämlich die

Dass sich der Nomadengott Jhwh in solcher sinnbildlichen Geschichte für den Hirten und Nomaden Abel entscheidet leuchtet ein. Trotz göttlichen Fluchs überlebt und gewinnt den Bruderstreit der Sesshafte, der Bauer und Ackermann Kain, der auch alsbald die erste biblische Stadt baut - ein Synonym für Sesshaftigkeit, Urbanisierung, Fortschritt und Zivilisation.


Geschlechtsregister

Besonders auffällige Ungereimtheiten bieten die Geschlechtsregister.

Da es sich bei den ersten 5 Kapiteln des 1. Mose um eine vereinheitlichte Erzählung aus (mind.) 2 Quellen handelt, benennen 1. Mose 4 und 1. Mose 5 mit hoher Wahrscheinlichkeit ein und denselben Stammbaum. Demnach wäre Kain nicht Adams unmittelbarer Sohn, sondern alias Kenan Adams Enkelsohn. Dass auch an anderen alttestamentarischen Stellen nicht so genau darauf geachtet wird, ob ein Mann nun direkter Sohn oder indirekter Nachkomme eines Vaters ist - so bspw. bei Abraham und Lot, die an einer Stelle (1. Mose 13,8, 1. Mose 14,16) Brüder genannt werden und an anderer Stelle (1. Mose 11,27) als Onkel und Neffe gelten, was sie lt. der Geschichte auch definitiv waren - bestätigt nur die Theorie zweier Quellen, die dasselbe Geschlechtsregister aufzählen.

Die Arche Noah

Diverse Überlegungen bez. der Horden von Tieren, deren Verpflegung, deren Exkremente und der Frischluftversorgung durch nur 1 Luke im Schiff, die noch dazu die meiste Zeit geschlossen zu sein hatte, lassen in der Fantasie gewisse üble Düfte richtig förmlich gen Himmel stinken. Die Arche muss es beim Öffnen ihres einzigen Fensters vor entströmenden Gestank regelrecht zerrissen haben, "ausgesandte" Raben und Tauben wird es da wohl eher explosionsartig hinauskatapultiert haben, statt dass diese friedlich mit oder ohne Ölzweig im Schnabel ihres Weges flatterten...
Trotz aller christlich-kreationistischer Berechnungen, steht noch immer die Überlegung offen, wie Eisbären, Pinguine, Känguruhs oder Koalas die Ozeane überschwommen haben sollen, um sich vor einer Flut in die Arche zu retten. Na, wenn da mal nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird ... welch feuchtfröhliche Angelegenheit!

Spaß beiseite, lasst uns wieder sachlich werden *räusper*:
Von der Sintflut gibt es 4 keilschriftliche und 1 hebräische Überlieferung(en):

Man kann anhand dieser Sinflut-Geschichten sehr schön nachvollziehen, wie aus einer ursprünglich recht knapp gehaltenen Story im Lauf der Zeit durch immer mehr Ausschmückung und Details (literarische Entwicklung, poetischer Fortschritt) sich die spannende Geschichte entwickelte, die die meisten Leute nur aus der Bibel kennen.

Bemerkt: Biblisch begründete Ursache der Sintflut war der Umstand, dass es Gott Jhwh reute, den Menschen gemacht zu haben. Damit können sich diesem Gott zugeschriebene Attribute wie Allwissenheit oder Unfehlbarkeit logisch nicht mehr halten: Ein allwissendes oder unfehlbares Wesen kann nichts tun, was es später bereuen muss.

Und übrigens: Nach Tradition der vorjüdischen, mesopotamischen Götter musste bei Katastrophen stets ein Mensch verschont werden, um den Göttern weiterhin zu dienen, die Erde für sie zu bestellen und sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Diesen obligatorischen Überlebenden finden wir bei der Sintflut, bei Sodom und Gomorrha und weiteren alttestamentarischen, göttlich-biblischen Katastrophen.


Verheißungen, Verheißungen und noch mal Verheißungen

Dem offenbar relativ depressiven Abraham, der mit seiner Kinderlosigkeit zum biblischen Patriarchen des "no future"-Gedanken wurde, verspricht "Gott" immer und immer wieder, dass aus ihm ein großes Volk werden sollte: 1. Mose 12,2; 1. Mose 12,16; 1. Mose 15,5; 1. Mose 17,2-6; 1. Mose 18,17; 1. Mose 22,17. Wäre ein Sprecher nicht glaubhafter, wenn er sein Versprechen nur einmal machte, um es dann zu erfüllen? In der vorliegenden Häufigkeit erinnert die Verheißung der vielen Nachkommen eher an eine immer wieder kehrende Sehnsucht aus dem Herzen Abrahams und eine immer wieder tröstende Hoffnung, mehr aus Verzweiflung. Entstand diese Abraham-Geschichte in einer Geisteshaltung, in der man das eigene Sehnen und Hoffen als Dialog mit Gott verstand?


Bemerkt: Abra(ha)m und Sara(i) - eine Geschwisterehe.
Abraham gibt in 1. Mose 20,12 deutlich an, dass es sich bei der Sarai um die Tochter Abrahams Vaters aber nicht Abrahams Mutter handelte und sie also tatsächlich Abrahams (Halb-)Schwester ist.

Wunderschöne unfruchtbare Schwestern

Fabel No. 1:
Es war einmal vor langer Zeit eine wunderschöne Frau. Sie war eine solch herausragende Schönheit, dass ihr Mann fürchtete, man würde ihn umbringen um ihretwillen. Es galt nämlich im Land als größeres Tabu, die Frau eines anderen Mannes zu verführen, als einen Mord an diesem Mann zu begehen um dann die Witwe zu heiraten. Als sogar der König auf die Schönheit der Frau aufmerksam wurde, gab der Mann sie voller Angst um sein Leben als seine Schwester aus. Der König holte sich also die Schönheit auf sein Schloss. Alsbald jedoch kam Unglück über sein Reich und es schien, als laste ein Fluch über seinem Hof. Da ließ der König den Mann zu sich rufen und dieser gestand, dass es sich bei "seiner Schwester" um seine Ehefrau handelte. Der König war froh, der Übel Ursache entdeckt zu haben und gab dem Mann seine Frau heraus, obendrein noch Reichtümer, Gold und Vieh dazu und ließ ihn ziehen. Alsbald waren die Unglücke aus dem Reich des Königs verschwunden und wenn er nicht gestorben ist, lebt er und sein Gesinde noch heute.

Fabel No. 2:
Es war einmal eine schöne Frau. Ihr Mann liebte sie zwar sehr, aber sie konnte keine Kinder kriegen und die Ehe war unerfüllt. Das Paar wurde immer unglücklicher und ihre Ehe war sehr getrübt. Vor lauter Verzweiflung machte die Frau dem Mann den Vorschlag, an ihrer Stelle sich ihre Sklavin zu nehmen und mit ihr einen Sohn in die Welt zu setzen. Der Mann folgte dem Rat seiner Frau. Als aber die Sklavin dem Mann das ersehnte Kind geschenkt hatte, war das Glück auch mit der Frau und auch sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. So wurde es doch noch eine große glückliche Familie und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.

Wenn ihr nun aber genau wissen wollt, wer die Helden dieser Fabeln mit Namen waren, dann lest die Bibel oder auch diesen Auszug aus ihr.

Bemerkt: Abraham und Sara mussten noch hochbetagt ans Kindermachen denken, das sie lt. Sara schon längst abgehakt hatten: Beide sind bereits so alt, dass Sara in 1. Mose 18,11-15 nur ein müdes Lächeln hervorbringt aufgrund der Prophezeiung, dass sie noch Mutter werden sollte und Abraham noch irgendetwas dieser Art an ihr zustandebringen können sollte. Wie es die Geschichte erzählt, geschah das Wunder doch noch und Abraham und Sara wurden tatsächlich in ihren alten Tagen noch Eltern.
Nachdem Sara alt und lebenssatt gestorben war, wobei davon auszugehen ist, dass Abraham nicht viel jünger war als Sara, nahm der alte Dackel, der zu diesem Zeitpunkt ohne göttliche Wunder schon gar keinen mehr hoch gekriegt haben dürfte, sich auf einmal in 1. Mose 25 eine neue Frau und zeugte hier noch mal auf die Schnelle 6 Söhne namens Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach.

Das Ganze erscheint mir höchst verworren. Ganz offensichtlich wurde hier einiges durcheinandergebracht, was die dargelegten Unstimmigkeiten und Auffälligkeiten deutlich zeigen.

Auf der Seite www.doormann.org ist zur Geschichte von Abram und Sara noch eine sehr logische und plausible Erklärung geboten, Zitat:

In den indischen Veden hat Gott Brahma, wie jeder Gott sein weibliches Gegenüber. Brahma's Weib und Schwester ist die Göttin Saraswati. Es gehört wohl nicht viel Phantasie dazu, in der Sara und dem Abraham der Torah die hinduistischen Gottheiten Saraswati und Brahm wieder zu erkennen, zumal in der Bibel in Jos. 24:2 berichtet wird: "Eure Väter wohnten vor Zeiten jenseits des Euphratstroms, Terach, Abrahams und Nahors Vater, und dienten andern Göttern. Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und ließ ihn umherziehen im ganzen Land Kanaan.."


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Erstveröffentlichung: 07.03.2001

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