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| Seite geändert am: 18.09.2007 | ||||

Im Buch "ein moderner Mythus - von Dingen, die am Himmel gesehen werden" von C.G. Jung, 1958, Rascher-Verlag, findet man das folgende Bild - das "Nürnberger Flugblatt von 1561" des Künstlers Hanns Glaser. Dieser war ein süddeutscher Künstler und nicht in Nürnberg ansässig, aber eine Weile dort tätig (er kannte die Stadt also nicht bis ins letzte Detail). Das Original-Bild ist ein Teil der Sammlung "Wickiana" aus der Zentralbibliothek Zürich.
Dieser Bericht enthält, wie dem Leser nicht entgangen sein dürfte, gewisse Einzelheiten, die an schon Erwähntes erinnern. Da sind vor allem die "Rohre", welche den zylindrischen Gestalten der Ufoberichte analog sind. Es sind, um in der Ufosprache zu reden, "Mutterschiffe", welche die kleineren linsenförmigen Ufos auf große Distanzen transportieren sollen. Das Bild zeigt sie in Funktion, nämlich Ufos entlassend oder aufnehmend. Besonders wichtig, aber in den modernen Ufoberichten fehlend, sind die unzweifelhaften Quaternitäten, die zum Teil als einfache Kreuze, zum Teil als kreuzförmig verbundene Scheiben, also als richtige Mandalas gesehen wurden. Zufälligerweise sind es vier einfache Kreuze und vier Mandalas. Andeutungsweise erscheint auch das Motiv von 3 + 1 in dem Dilemma von 3 und 4. Wie die technische Interpretation für unsere Zeit, so ist für das XVI. Jahrhundert die kriegerische kennzeichnend. Die Rundungen sind Stückkugeln und die "Rohre" Kanonen, und das Hin- und Herschießen der Kugeln ein Artilleriekampf. Die große schwarze Speerspitze sowie die Lanzenschäfte (?) scheinen das Männliche zu verdeutlichen und insbesondere das Eindringende. Ähnliches wird auch in der modernen Ufoliteratur berichtet.
Die Betonung des Kreuzmotivs fällt auf. Die christliche Bedeutung des Kreuzes dürfte hier kaum in Betracht kommen, da es sich ja sozusagen um eine Naturerscheinung handelt, nämlich um einen Schwarm runder Wesenheiten in heftiger, durcheinander wirbelnder Bewegung, welche den Berichterstatter an einen Kampf erinnert. Wären die Ufos Lebewesen, so würde man an eine Art von Insektenschwarm denken, der sich mit der Sonne erhebt, nicht um zu kämpfen, sondern um sich zu paaren, d.h. um ein Hochzeitsfest zu feiern. In diesem Fall ist das Kreuz eine Vereinigung von Gegensätzen (Vertikale und Horizontale), eine "Kreuzung" und, als ein Pluszeichen, eine Zusammenfügung und Addition. Da wo die Koppelung eingetreten ist, nämlich in den Quaternitäten, handelt es sich offenkundig um eine Paarung übers Kreuz, nämlich um den sogenannten Heiratsquaternio, den ich in meinem Buche über die Übertragung beschrieben habe. Er bildet das Schema des primitiven "cross-cousin-marriage", zugleich aber auch ein Individuationssymbol, die Vereinigung der "Vier". Die beiden viertelsmondähnlichen "blutfarben Streyme" (Striemen), die durch die Sonne gehen, entziehen sich einer einfach Erklärung.
Auf der Erde erheben sich Rauchsäulen an der Stelle, wo die Kugeln heruntergefallen sind, was an das Bild Tanguys erinnert
C.G.Jungs Text hierzu: Das Flugblatt stammt von Nürnberg und erzählt die Kunde von einem "sehr erschröcklichen gesicht" zur Zeit des Sonnenaufgangs am 14. April 1561. Es wurde "von vielen manns und weybspersonen" gesehen. Es waren "kugeln" von blutroter, bläulicher und schwarzer Farbe, oder "Ringscheyben" in großer Anzahl in der Nähe der Sonne, "etwo drey inn die lenge / vnterweylen vier inn einem Quatrangel, auch etliche eintzig gestanden / und zwischen solchen Kugeln sein auch etlich blutfarbe Creutz gesehen". Außerdem wurden "zwey große rore" (resp. drei) ... "in welchen kleinen und großen Rorn / zu dreyen / auch vier vnd mehr kugel gewesen. Dieses alles hat mit einander anfahen zu streyten". Dies dauerte etwa eine Stunde. Dann "ist es alles wie obverzeychnet von der Sonnen / vom Hymel herab auff die erden gleich alls ob es alles Brennet gefallen / vnd mit einem großen dampff herunter auff der Erden allgemach vergangen". Ebenso wurde unter den Kugeln ein längliches Gebilde gesehen, "gleichförmig einem großen schwartzen Speer". Selbstverständlich wurde dieses "Gesicht" als göttliche Warnung verstanden.
Ich wusste es sofort: Es ist ein mittelalterliches Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett!
Joke beiseite: Wenn DAS Nürnberg sein soll, dann frag ich mich doch, wo sein Wahrzeichen ist - nämlich die Burg? Gut zu erkennen ist ganz links die Lorenzkirche; nur hat Alt-Nürnberg 2 solcher alten, gotischen Kirchen: die Lorenzkirche im südlichen und die Sebalduskirche im nördlichen Teil der Altstadt, in dem auch die Burg steht. Auf dem unten abgebildeten Holzschnitt mit dem Mond vom 15.03.1561 sind beide Kirchen authentisch in einer Stadt abgebildet. Vielleicht ist in unserem Ufo-Bild der nördliche Teil nicht mehr mit drauf? Wie dem auch sei stehen beide Kirchen mit den Türmen nach Westen und dem Arsch, äh... dem Kirchenschiff nach Osten. Deutlich ist auf dem Ufo-Bild dieses Kirchenschiff zu erkennen und macht die Perspektive von der Rückseite der Kirche, also von Osten nach Westen klar. Wenn das himmlische Spektakel jedoch "zur Zeit des Sonnenaufgangs" des 14.04.1561 stattgefunden haben will, deutet das Bild auf eine Perspektive von Westen nach Osten (in Richtung aufgehender Sonne). Wahrscheinlich ist aber, dass die Sonne einfach nur im Bild zentriert wurde, da sie das Zentrum des Geschehens darstellt - und Nürnberg so irgendwie aus dem Gedächtnis des Malers darunter angedeutet wurde, damit man wenigsten im Groben wusste, an welchem Ort sich das Spektakel zutrug. Sehr unklar ist auch, was die zweite, doch relativ große Ansiedlung rechts im Bild für eine Ortschaft sein soll. Soll es sich dabei wider aller Windrichtungen um Fürth handeln?
Es bleibt die spannende Frage: Welches Gebäude ist das, was da im Vordergrund offensichtlich von himmlischen Geschossen getroffen in Rauch und Flammen auf geht? Wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man ein Türmchen und 2 Häuser. Wie eine Scheune sieht es nicht aus - eher wie eine kleine Kapelle?
Wenn die Proportionen auf dem Holzschnitt von 1561 auch nur annähernd stimmen, so müsste sich das getroffene, brennende Gebäude irgendwo 1 bis 2 km außerhalb der Stadtmauer befinden. Der nördliche Teil der Stadt fällt dabei aus, denn dort steht die vom Bild nicht mehr erfasste Burg. Wollen wir die Sonne korrekt im Osten aufgehen lassen, so liegt das getroffene Gebäude südwestlich der Altstadt.
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Details:
St. Leonhard |
Nach Recherchen steht für mich nun fest, dass das von rauchenden Kugeln umgebene Gebäude die Kirche
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Details:
Johannis-Friedhof |

Es kursierten analog zum Roman bereits einige unheimlichen Gerüchte, beispielsweise dass die Wände der Nürnberger Katakomben von blutroten Schlieren durchdrungen seien...
| Die Katakomben von Nürnberg |
Natürlich fanden wir dabei kein eingemauertes Ufo, auch wenn Karsten die Touristenführerin immer wieder auf den teils mit großen Steinplatten gefliesten Kellerboden ansprach. Sollte jedoch das etwaige Ufo tatsächlich im Südwesten Nürnbergs abgestürzt sein, so wurden seine Teile bestimmt in einem nahe gelegenen, südlichen Keller vermauert und nicht im besichtigten, nordstädtischen Burgberg - diesbezüglich ist unser Verkehrsschild vom "unterirdischen Gewölbe" ein guter Hinweis, denn dieses steht im Süden der Altstadt.
Aber immerhin konnten wir Gerüchte von "blutroten Schlieren" als Lehmschichten und natürliche Sandsteinstrukturen entmystifizieren.
Das Buch von C.G.Jung "ein moderner Mythus - von Dingen, die am Himmel gesehen werden" ist natürlich vergriffen und wird nicht mehr nachgedruckt, aber ich konnte es auf eBay für
| Sollte ein unbekanntes physikalisches Phänomen der äußere Anlass zum Mythus sein, so nimmt es demselben nichts weg, denn viele Mythen haben meteorische und andere natürliche Begleitursachen, die den Mythus keineswegs erklären. Der letztere nämlich ist in der Hauptsache ein Produkt des unbewussten Archetypus und daher ein Symbol, das psychologische Deutung erfordert. Für den Primitiven kann ja irgendein Gegenstand, z.B. eine weggeworfene Konservenbüchse, plötzlich Fetischbedeutung annehmen, welcher Effekt keineswegs der Konservenbüchse anhaftet, sondern vielmehr ein psychisches Problem ist. |
Während in früheren Zeiten archetypische Visionen noch als metaphysische Gesichte (Göttererscheinungen) interpretiert wurden, ist dies heute nicht mehr zeitgemäß:
| Es ist wohl für unserer Zeit bezeichnend, dass der Archetypus, im Gegensatz zu seinen früheren Gestaltungen, eine sächliche, ja sogar eine technische Form annimmt, um die Anstößigkeit einer mythologischen Personifikation zu umgehen. |
C.G.Jung hält daher Ufos - trotz erwähnten Befundes auf Radar-Aufzeichnungen - als den modernen Ausdruck von Symbolismen des kollektiven Unterbewusstseins. Dafür sprechen auch die sich mit den Berichten von "realen" Beobachtungen deckenden Ufo-Träume - teils von Träumern, die noch nie etwas von einem Ufo gehört hatten. Jung deutet in Träumen sowie "realen" Visionen gesehenen runden, tropfenförmigen Ufo-Erscheinungen als Flüssigkeits-Symbol des Weiblichen und die länglichen, zigarrenförmigen Ufo-Erscheinungen natürlich als Phallus-Symbole. Ebenso sei der Trieb zur Macht bei solchen Vorstellungen nicht zu unterschätzen. Darüberhinaus ist das Runde oder Ringförmige archaisches Symbol des Ganzheitlichen oder der Seele und wird als solches seit prähistorischen Epochen (in religiösen Bildern) verwendet.
Die Ufo-Sichtungen tauchten erstmals verstärkt im 2. Weltkrieg und unmittelbar danach auf. Die latente, kollektive Spannung der politischen Weltsituation soll sich hier aus dem Unbewussten mittels einer Projektion ins Bewusstsein niedergeschlagen haben. Da es sich um eine kollektive Spannungskraft handelt, sei es auch zu erklären, warum mehrere Individuen - oft lokal voneinander getrennt - zeitgleich dieselben archetypischen Visionen gehabt hätten.
Dass es sich zuerst bei den Ufo-Sehern um relativ seriöse Personen wie Flugzeugpiloten oder Flughafen-Bodenpersonal handelte, sei darauf zurückzuführen, dass diese doch sehr rational denkenden Menschen eben irrationale Spannungen ins Unbewusstsein verdrängten, von wo aus sie überhaupt erst als Vision projiziert werden können. Menschen, die ihre irrationalen Energien bereits in Religion oder Phantasie auslebten, seien eben zu solchen Visionen gar nicht fähig, da sich die psychischen Kräfte nicht genug stauen könnten um die notwendige Intensität auszubilden. Der Kontrast zwischen dem engen Sichtfeld der Kontrollinstrumente in einem Flugzeug und dem weiten Raum des Himmels darüber führe eben zur Ausbildung besonderer Spannungen, aus denen sich Visionen bilden können - ähnlich der Leere der Wüste oder der Kärge asketischen Lebens, dem sich religiöse Einsiedler zur Erlangung göttlicher Erscheinungen freiwillig aussetzten.
| ...eine richtige Vorstellung von diesen Objekten zu machen, denn sie benehmen sich nicht wie Körper, sondern schwerelos wie Gedanken. |
Auffallend an Ufo-Sichtungen, Ufo-Träumen und dem Verhalten der Ufos ist die Assoziation zu Insekten. Der Flug der Ufos ist oft abgehackt und schnell Richtung wechselnd gleich der von Libellen - eine Weile flügen sie im Stand über einem offenbar für sie scheinbar interessanten Beobachtungsposten um dann blitzschnell davonzujagen. Die Oberfläche der Ufos hat oft eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der Form und auch der Beschaffenheit von Chitinpanzern der Insekten. Die Außerirdischen, die manch ein Beobachter schon gesehen haben will, sind neben menschenähnlichen Marsbewohnern mit großem Kopf auch oft kleine, unmenschliche Männchen mit insektenartigen Körpern und Gliedmaßen.
Die "Ufos" kamen nicht aus heiterem Himmel. Unweit von Nürnberg beschrieb ein gewisser Georg Merckel eine Erscheinung in Rothenburg ob der Tauber am 16.01.1561 "Warhaffte Zeychen und Zeyttung so zu Rottenburg ob Tauber Anno M.D.L.XI. den XVI. January am Hymel von menigklich Daselbst warhafftig gesehen worden." Am 05.03.1561 erschien dann über Nürnberg ein "wunderbarlich Gesicht des Monds" (Bild rechts).
Hier sieht man ein Flugblatt zu Nürnberg, das eine Erscheinung vom 12.01.1580 beschreibt: "Warhaffte Contrafactur / derer jüngste erschienen grossen Wunderzeychen dreyer Sonnen, vier Regenbogen / und darinn zweyer Lichterklarheyten / auch grossen, straffen Creutzes am Himel / der vilerorten gesehen worden, als folgende Figur ... außweiset"
Man darf davon ausgehen, dass der Künstler, Briefmaler Hans Mack, das himmlische Phänomen nicht selbst gesehen hat, sondern sein Bild anhand von Berichten - vielleicht auch erst aus 2. oder 3. Hand - anfertigte.
Auf der Seite
www.meteoros.de
Ein Foto (von Peter Pammer) zeigt ein "Halophänomen mit rechter Unternebensonne". Deutlich ist das Kreuz zu erkennen, das vermutlich mittels einer Beschreibung der mündlichen Überlieferung eines Augenzeugenberichts im Holzschnitt dann aus dem Zentrum nach rechts verschoben wurde.
Das sichelförmige, auf die Erde zeigende Element um die Sonne findet sich auch sehr schön auf dem links abgebildeten, mittelalterlichen Flugblatt von Augsburg, das eine Erscheinung am 11.04.1590 dokumentiert: "Warhafftige Newe Zeyttung eines kläglichen Gesichts und Zaichens / welches in Farben gestaltet wie ein Regenbogen / den 11. tag Aprilis dieses 1590. Jars / zu Abende zwischen vier und fünff uhr bey der Sonnen am Himel gestanden / und in der Statt Augspurg / wie auch in derselben gegend herumb / von menigklich / nach außweysung und form diser Figur gesehen worden"
Weitere mittelalterliche Flugblätter und Schriften zu Halos findet man auf den Seiten
alte Halo-Darstellungen I und
alte Halo-Darstellungen II
Auf der Seite
www.meteoros.de
Haloerscheinungen sind Lichtbögen und Lichtflecken am Himmel, die durch Brechung und Spiegelung des Lichts an Eiskristallen hervorgerufen werden. Eiskristalle, die zur Halobildung Anlass geben, finden sich vor allem in hohen Wolken der Gattung Cirrus und Cirrostratus. Daneben können Halos in fallenden Schneekristallen, im Eisnebel, auf Schneedecken und auf mit Reif überzogenen Flächen beobachtet werden. Im Gegensatz zum Regenbogen sind diese atmosphärischen Erscheinungen kaum jemandem bekannt. Dabei gibt es einige Haloarten, die in ihrer Farbigkeit und Helligkeit dem Regenbogen gleichkommen können. Außerdem sind Halos gar nicht so selten. Durchschnittlich kann man an 6-7 Tagen im Monat Haloerscheinungen beobachten. (Genaueres siehehier)
Bezeichnenderweise traten die mittelalterlichen Erscheinung auch im Winter (Januar) auf oder in Monaten, in denen mit Eiskristallen, Graupelschauern und starken Wetterumschwüngen sowie Temperaturkontrasten zu rechnen ist, wie dem April.
Die Malerei und Darstellung unterlag in den letzten 500 Jahren einem starken Fortschritt. Wie man auf den Bildern des 16. Jahrhunderts erkennen kann, wurden beispielsweise die Hauptgestirne Mond und Sonne grundsätzlich mit einem Gesicht dargestellt. Da uns dergleichen Sonnen- und Mondgesichter auch aus heutigen Kinderbildern noch angrinsen, wird dies meistens als ganz selbstverständlich wahrgenommen.
Die große Schwierigkeit in der Malerei und besonders bei grafischen Reduktionen wie dem Holzschnitt (schwarz-weiß) besteht in der Darstellung von Licht oder leuchtenden Objekten. Obwohl die Sonne mit Abstand das Hellste ist, was wir uns auf dieser Erde vorstellen können, ist sie durchwegs auf den Zeichnungen höchst dunkel gehalten! Die eigentlich hellen, weißen Wolken sind im Bild nur dunkle Flecken mit schwarzen Rändern, die lichten, gleißenden Sonnenstrahlen sind nur schwarze Striche, die Sonne ist meist dunkler dargestellt als das tatsächlich sehr dunkle Gestein der Gebäude. Das irritiert unser heutigen Augen, denn Film und Fotos gewöhnt assoziieren wir automatisch bei einer dunkel abgebildeten Absonderlichkeit im Himmel natürlich einen dunklen Körper. Das täuscht, denn mit den gemalten schwarzen Flecken sind paradoxerweise Lichterscheinungen gemeint!
Zum Glück haben wir ja heutzutage Grafikprogramme und unterziehen das Bild von 1561 damit einmal einer grafischen Korrektur. Wir machen den weißen Himmel nach Vorbild der Realität dunkler, die Sonne lichtend hell, die Umrandungen der himmlischen Objekte einfach weg, die hellen Kugeln wirklich hell und die Sicheln zu regenbogenartigen Supralateral- bzw. Zirkumzenitalbögen, als welche wir sie anhand des Bildes von Augsburg bereits identifizieren können.
Es drängt sich mir zumindest bei den weißen Kugeln der Eindruck von Schneeflocken auf. Auch diese treiben munter durcheinander und wirbeln herum, als wollten sie "mit einander anfahen zu streyten".
Hier noch drei Fotos, zu denen ebenfalls die Beschreibung passen würde: "kugeln" von blutroter, bläulicher und schwarzer Farbe, oder "Ringscheyben" in großer Anzahl in der Nähe der Sonne, "etwo drey inn die lenge / vnterweylen vier inn einem Quatrangel, auch etliche eintzig gestanden...".


Im "blutroten" Bild des Sonnenuntergangs sehen wir vier Lichtkreise, von denen sich jeweils ein kleiner in einem größeren und der zweitgrößte noch einmal im größten Kreis befindet. Man könnte auch sagen "vier in einem Quadrangel", also in einem Vierer-Verbund. Man kann auch bei genauerem Hinsehen mit etwas gutem Willen von der Sonne ausgehend einen breiten Strahl erkennen, deren Elemente die vier Kreise sind, der wie ein Rohr vom Durchmesser der beiden kleineren Kreise aller vier Kreise Basis zu sein scheint. Wären vier bis fünf kleinere Kreise in dieser optischen Erscheinung, so stellten sie tatsächlich ein geladenes "Kanonenrohr" dar, ähnlich den beiden im Ufo-Bild gezeichneten.
Vielleicht find ich ja noch einmal ein Bild, wo noch mehr solcher Kreise fotografiert sind.
Einen Lichtkreis von bläulicher Farbe sieht man am Ende des leider nicht schwarzen, sondern höchst hellen "Speeres" des Sonnenstrahls im Gebirgsfoto.
Am ähnlichsten sehen dem Wirrwarr an Kreisen auf unserem korrigierten "Ufo"-Bild die vier (etwas blassen) Kreise auf dem dritten Foto, auch von bläulicher Farbe.
Dass die drei Fotos sehr alltägliche, kaum auffallende Himmelserscheinungen zeigen und das "Ufo"-Bild doch ganz gewaltige Balken, Kugeln und Kanonenrohre, sollte uns in Anbetracht dessen nicht stören, dass ja auch ein Regenbogen-ähnlicher 22°-Halo in der mittelalterlichen Kunst dargestellt wird, als sei er eine stählerne Riesensense am Himmel. So wie uns die gemalte, dick schwarze Halo-Sichel wie ein Zeppelin erscheint, assoziieren wir auch zur klotzigen Darstellung blasser Luftbläschen eher Flugzeuge oder Raumschiffe. Dies liegt neben unserer realistischeren Darstellungs- und Sichtweise (Fotos) einfach auch daran, dass wir heutzutage nicht mehr auf so minimale Erscheinungen achten (wer - außer Meteorologen - hat denn schon einmal einen Halo bewusst wahrgenommen?), worin die abergläubischen Mittelalterlinge noch "Wunderzeychen" gesehen haben, nach denen sie auch andauernd auf der Suche waren.
Es ist anhand so vieler Darstellungen aus demselben Zeitraum anzunehmen, dass hier jemand ganz gezielte Himmelsbeobachtungen anstellte und seine Ergebnisse aufzeichnete. Das Gebiet der astrologischen/astronomischen Forschungen war in Europa in der
So schrieben just im Jahre 1560 einige lutheranische Kleriker: "...aber Gott der Allmächtige hat auch in die Himmel viele erschreckliche und bis dahin unbeachtete Zeichen vor unsere Augen gesetzt, dergleichen mit den Jahren zugenommen haben. " Zeugen des Jahres 1561: "Wir sahen wesentlich mehr Zeichen als in allen anderen Jahren. Bei vielen Gelegenheiten waren die Sonne und der Mond verdunkelt worden. Ein Kruzifix wurde im Himmel gesehen, als auch Bahren und Särge mit schwarzen Männern daneben. Ferner wurden Ruten und Peitschen und viele andere Dinge an einer Vielzahl von Plätzen gesehen ... und es ist kaum ein Jahr vergangen ohne eine Sonnen- oder Mondverfinsterung. Erfahrungen legen nahe, und ebenso unterrichtet es uns die Geschichte, dass es in der Vergangenheit nicht so viele Verfinsterungen gab wie in den letzten 20 Jahren. Darüberhinaus wurden im vergangenen Jahr viele entsetzliche und schreckliche Kometen gesehen; dazu drei Sonnen, die in den Himmeln gesehen wurden. Es würde zuviel Zeit kosten, um all die himmlischen Zeichen aufzuzählen, die kürzlich gesehen wurden, auch deshalb, weil bereits eine große Anzahl von Flugblättern und Büchern dazu veröffentlicht wurden."
Übersetzt aus dem Englischen, das wiederum aus dem Altdeutschen übersetzt wurde und der Schrift "Die Kirchenvisitation im Landgebiet der Reichsstadt Nürnberg 1560 und 1561 (Neustadt a/d Aisch, 1994)" von Gerhard Hirschmann entnommen ist.
Aus den Berichten spricht deutlich die starke, kollektive Spannung, wie sie C.G.Jung auch für die Himmelserscheinungen (in der Moderne aka Ufos) in den Jahrzehnten des 2. Weltkriegs postulierte (s.o.). Die Evangelisten verdrängten zugunsten ihrer noch relativ vernünftigen, religiösen Überzeugungen ihre katholischen Kindheitsprägungen sowie das daraus resultierende schlechte Gewissen (Über-Ich) und die Katholiken sahen die Menschheit angesichts der Evangelisierung in großer Sünde, die die Strafe Gottes geradezu herauf beschwören musste. Darüberhinaus war die Angst vor dem göttlichen Gericht sowieso allgegenwärtig und man erwartete allen Ernstes den jüngsten Tag - den zu errechnen man sich nun von der Beobachtung himmlischer Zeichen versprach. Die vorherrschende Kollektivhysterie führte bei der Himmelsschau unschwer zu Falschinterpretationen und zur Überbetonung auch kleinster, eher unscheinbarer Absonderlichkeiten.
Da - wie bereits erwähnt - die Künstler der mittelalterlichen Flugblätter und Holzschnitte höchstwahrscheinlich nicht selbst die Augenzeugen waren, sondern ihre Bilder aufgrund von Berichten Dritter erstellten, unterlagen diese natürlich stark den jeweiligen subjektiven Vorstellungen. Es fällt auf, dass die Bilder die Himmelszeichen relativ übertrieben ausdrücken (vergleiche obigen Holzschnitt und Foto des Halos) und es erscheint plausibel, dass die Künstler nicht nur jeweils eine Himmelserscheinung auf ein Bild brachten, sondern vermutlich mehrere verschiedene - so ganz offensichtlich auf dem Flugblatt zu Nürnberg von 1561.
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